Veganer Käse – oder die Kunst, Milch durch Mineralöl zu ersetzen

Zuerst die Gretchenfrage: Gibt es veganen Käse?  -  Nein, es gibt keinen veganen Käse.

Es gibt Käse. Und es gibt Produkte, die aussehen wollen wie Käse.

Käse entsteht aus Milch. Milch kommt von Kühen, Schafen oder Ziegen. Das ist nicht ideologisch, das ist Biochemie.

Was „veganer Käse“ ist, ist sprachlich ungefähr so präzise wie „fleischfreies Steak“ oder „alkoholfreier Schnaps mit Charakter“.

Man kann vieles sein. Aber nicht gleichzeitig etwas – und dessen Abwesenheit.

Wie entsteht „veganer Käse“?

Nicht im Stall.
Nicht im Reifekeller.
Nicht im Dorf.

Sondern im Labor der Lebensmitteltechnologie.

Grundrezept:

  • Kokosfett (für das Mundgefühl)
  • Stärke (für die Form)
  • modifizierte Stärke (für das bessere Mundgefühl)
  • Emulgatoren (damit Fett und Wasser sich nicht prügeln)
  • Aromen (für das, was eigentlich Geschmack sein sollte)
  • Farbstoffe (für die Illusion)
  • Salz
  • und manchmal Erbsen-, Mandel- oder Sojaprotein, damit es irgendwie nach „Substanz“ klingt.

Das Ganze wird erhitzt, vermischt, gepresst, geschnitten –
und nennt sich dann „Scheiben“.

Es ist kein Reifungsprozess.
Es ist ein Produktionsprozess.

Der Unterschied zwischen Camembert und veganem Scheibenersatz ist ungefähr der zwischen einem handgeschriebenen Brief und einer PowerPoint-Folie mit Herz-Clipart.

Und dann kommt das Mineralöl

MOSH.
MOAH.

Abkürzungen, die klingen wie neue Elektromodelle.

Gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe.
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe.

Sie reichern sich im Körper an.
Sie sind „grundsätzlich unerwünscht“.
Ein schönes Wort.
Wie ein ungebetener Schwager.

Und natürlich stecken sie nicht im Bergkäse aus Rohmilch.
Sondern im hochverarbeiteten Kokosfett-Block mit Schmelzgarantie.

Man wollte moralisch reinen Käse.
Bekam Industrie.

Die Ironie des Guten

Der Gedanke hinter Veganismus ist edel:
Tierleid vermeiden.
Umwelt schützen.
Bewusster leben.

Was am Ende im Einkaufswagen liegt, ist oft ein Produkt mit 17 Zutaten, deren chemische Namen länger sind als jede Bauernhofgeschichte.

Milch wurde ersetzt.
Durch Textur.

Reife wurde ersetzt.
Durch Aroma.

Natur wurde ersetzt.
Durch Prozessoptimierung.

Und wenn dann Mineralöl nachweisbar ist,
heißt es: „Handlungsbedarf.“

Natürlich besteht Handlungsbedarf.

Vielleicht beginnt er bei der ehrlichen Frage:

Warum wollen wir Lebensmittel,
die so tun, als seien sie etwas anderes?

Die Pointe, die wehtut

Veganer Käse ist kein Skandal.
Er ist ein Symptom.

Wir leben in einer Zeit, in der Moral wichtiger ist als Material.
In der Haltung Geschmack ersetzt.
Und in der Verpackung wichtiger ist als Ursprung.

Man wollte kein Tier.
Man bekam Kokosfett mit Zertifikat.

Und ein bisschen Mineralöl gratis dazu.