Warum es hier keine Kommentarfunktion gibt

Man kann Satire kommentieren.
Man darf alles kommentieren.
Das Internet hat aus jedem Gedanken eine öffentliche Abstimmung gemacht.

Aber die bessere Frage ist:

Muss man Satire kommentieren?

Satire ist kein Serviceangebot.
Sie ist kein Diskussionsforum.
Sie ist kein digitales Bürgeramt mit Eingabemaske.

Satire ist bereits der Kommentar.

Sie verdichtet.
Sie überzeichnet.
Sie legt frei.
Sie spitzt zu, wo andere weichzeichnen.

Wer darunter „Sehe ich anders!“ schreibt,
hat möglicherweise das Genre verfehlt.

Die Rottenburgh Post ist kein Debattierclub.
Sie ist eine literarische Zumutung.

Und Zumutungen funktionieren nicht im Applaus-Algorithmus.

Warum wir keine Kommentare wollen

Nicht aus Angst.

Sondern aus Respekt vor der Form.

Satire lebt von Rhythmus.
Von Pointe.
Von Übertreibung.
Von Stille danach.

Eine Kommentarfunktion verwandelt jede Pointe in eine Abstimmung.
Und jede Übertreibung in eine Grundsatzdebatte.

„Aber so kann man das nicht sagen!“
Doch.
Genau so kann man das sagen.
Weil es Satire ist.

Wer diskutieren möchte, darf das gern im echten Leben tun.
Am Stammtisch.
Im Büro.
Auf dem Rad.
Oder sogar als radfahrende Person.

Aber hier bleibt der Text stehen.

Unkommentiert.
Wie eine Skulptur.

Man darf sie mögen.
Man darf sie ablehnen.
Man darf sie missverstehen.

Aber man darf sie nicht in eine Kommentarspalte zerren,
die alles in Meinungssalat verwandelt.

Die eigentliche Pointe

Das Internet hat uns beigebracht,
dass alles reagierbar sein muss.

Like.
Share.
Reply.
Empörung.

Wir glauben nicht,
dass jeder Gedanke sofort verhandelbar sein muss.

Manchmal darf ein Text einfach stehen bleiben.
Unbequem.
Unwidersprochen.
Unkommentiert.

Das ist keine Arroganz.

Das ist Stil.